Sonntag, 21. Oktober 2012

Tagatesse - Zucker neu erfunden

In der Vergangenheit durftet ihr bereits meine Selbstversuche mit Stevia als Ersatz für Zucker mitverfolgen und somit auch mitbekommen haben, das mich die Stevia Produkte alle nicht überzeugen konnten.

Der Nachgeschmack und die Eigenschaften sorgten in meiner Familie, wie auch im Freundeskreis eher für Missstimmung und noch größere Skepsis. Dies bekam auch der Hersteller eines ganz anderen Produktes mit und fragte freundlich nach, ob ich nicht Interesse hätte sein Produkt auszuprobieren, da es sich erheblich von Stevia unterscheiden würde.

Nachdem ich einige Recherchen durchgeführt habe und nur positives gelesen habe, sagte ich zu, denn meine Neugierde war geweckt :-)

Es handelt sich um Tagatesse® - ein neuer Ersatz für Zucker, aber kein Süßungsmittel im Sinne von den bekannten Süßstoffen.
Der Hauptbestandteil ist Tagatose: ein natürlicher Zucker, der aus Milchzucker (Laktose) gewonnen wird.

Die Laktose wird durch die sogenannte Hydrolyse in zwei Bestandteile aufgespalten: Galaktose und Glukose. Die Galaktose wird umgewandelt /durch einen enzymatischen Prozess) in Tagatose, im Anschluss gereinigt, so das ein weißer Kristallzucker übrig bleibt, der einen natürlichen Zuckergeschmack hat.

Das Verfahren und die Geschichte wird sehr gut auf der Seite beschrieben und auch in meinen beiliegenden Unterlagen konnte ich die Herstellung und Erläuterung sehr gut nachvollziehen. Es würde allerdings den Rahmen meines Berichtes sprengen, euch alle Einzelschritte und Definitionen hier zu erläutern. daher möchte ich an dieser Stelle darum bitten, Einzelheiten selbst nachzulesen und ich denke, es ist auch ratsam, um euch selbst ein Bild von diesem neuen Produkt zu machen.

Nun wird also aus Tagatose Tagatesse® und dieses besteht aus mehreren Zutaten (ich verlinke an dieser Stelle die Begriffe einfach mal zu Wikipedia, damit ihr euch selber auch noch einmal die offiziellen Definitionen zu diesen Zutaten ansehen könnt): Tagatose (39,92 %), diätetische Ballaststoffe 
(20,14 %: Inuline und Oligosaccharide), Isomalt (39,92 %) und Sucralose (0,02 %).

Vorteile:
Die Vorteile der Tagatesse Produkte liegen darin, das sie im Gegensatz zum herkömmlichen Zucker:
- kein Karies verursachen
- Diabetiker geeignet sind
- natürlich prebiotisch
- wenig Kalorien (Vergleich 1g Tagatesse ~ 1,5 kcal. / 1 g Zucker ~ 4 kcal.)

Nun stellt sich sicher der ein oder andere die Frage, wie auch ich anfangs, wenn es doch aus Laktose gewonnen wird, ist es denn überhaupt für jeden geeignet? Also auch bei Laktoseintoleranz? Ja, das ist es! Tagatesse weißt ausdrücklich darauf hin, das diese Produkte laktosefrei (und auch glutenfrei) sind.

Für wen sind die Tagatesse Produkte geeignet?
- für Diabetiker
- für Kinder (aber nicht empfohlen für Kinder unter 3 Jahren, wegen der prebiotischen Wirkung)
- für gute Ernährung - Thema Abnehmen

Klingt alles ganz überzeugend und positiv, oder? :-)

Mich persönlich reizte natürlich das Thema, da ich 3 Jungs habe, die ebenso wie alle Kinder, alles mögen was süß ist. Das Zucker nicht gerade gut ist für die Zähne, wissen inzwischen selbst schon die Kleinsten. Weiterhin höre ich immer wieder aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, das es häufig zu der Problematik der Maßlosigkeit bei Kindern kommt und einige Kinder einfach nicht wissen, wann es genug ist. Auf Dauer gesehen führt diese Maßlosigkeit natürlich auch zu Übergewicht.

Viele Familien (so meine Erfahrung) sind leider nicht in der Lage einen vernünftigen Umgang mit zuckerhaltigen Produkten zu praktizieren und ich denke, das Tagatesse hier auch einen positiven Nutzen haben kann. Niemand möchte wohl seinen Kindern die Lust auf Süßes verwehren oder gar vollständig verbieten - mal ehrlich, so einen Süß-Hype haben wir doch alle mal....

Doch nun zu meinem Praxistest und der Frage "Ist Tagatesse ein idealer Zuckerersatz oder nicht?".

Ich erhielt zur Auswahl folgende Produkte:



- eine Tafel Nußschokolade
- Tagatesse Dispenser mit Zuckerersatz in Tablettenform

Als erstes probierte ich die Tabletten aus um meinen Kaffee zu süßen. Ich nehme für gewöhnlich 1,5 TL Zucker in eine Bechertasse. Da Tagatesse in etwa die doppelte Süßkraft hat, ging ich etwas vorsichtiger an die Sache heran und probierte zunächst einmal eine Tablette, was allerdings zu wenig war. Ich benötigte noch eine zweite Tablette und schon war die Süße in meinem Kaffee optimal.

Geschmack: mhhh, wie beschreibe ich dies jetzt?! Mein Kaffee schmeckte süß, allerdings nahm ich auch gleichzeitig einen dezenten Nachgeschmack wahr, den ich nicht wirklich erläutern kann... Er erinnerte mich nicht an Süßstoff, auch war er nicht unangenehm - eben anders und nicht wie Zucker! Ich möchte das jetzt nicht unbedingt als Minuspunkt werten, aber mein erster Eindruck war eben nicht voller Begeisterung, denn ich verließ mich ja auf die Aussage, das Tagatesse wie Zucker schmeckte...

Abends probierte ich mit meinem Mann die Schokolade und siehe da, sie schmeckte wie "normale" Schokolade! Zwar nicht so vollmundig, cremig und lecker wie meine Lieblingsschoki, aber dies lag sicher nicht an der Tagatose, sondern wohl eher am Herstellungsverfahren bzw. der Schokolade an sich. Es gibt viele Schokoladensorten am Markt, die ich auch nicht soooo gerne esse und ich muss zugeben, ich bin und bleibe ein eingefleischter Fan einer bestimmten Marke :-) Mein Mann hatte auch nicht wirklich etwas zu beanstanden (und er gehört zu den ganz großen Skeptikern), außer den gleichen Punkten , die ich auch bereits genannt habe. Ich kann also an dieser Stelle versichern, das die Schokolade durchaus gut ist und schmeckt, wie eine herkömmlich gesüßte Schokolade!

Bei dem Kristallzucker reizte es mich ja sehr auszuprobieren, ob er in der Lage ist, typische süße Speisen zu "entschärfen". Wer meine Hexenküche verfolgt, der weiß ja, das ich gerne "experimentiere" und das natürlich auch gerne mit Leckereien für meine Kids.

Aktuell habe ich eine Halloween Kategorie eingebaut und ich habe neulich Paradiesäpfel zubereitet, die mit jeder Menge herkömmlichem Zucker hergestellt werden. Das wir es bei diesen Äpfeln mi regelrechten Kalorienbomben und Zahnkillern zu tun haben, brauche ich wohl nicht extra erwähnen :-) Also ein ideales Rezept um Tagatesse einzusetzen.

Ich nahm also 125 ml Wasser und 125 g Tagatesse Kristallzucker (halb so viel wie Zucker), gab nach Rezept Essig und Speisefarbe hinzu und kochte diese Mischung auf. Nach nicht einmal 5 Minuten bemerkte ich, das es tatsächlich zu einer Sirupbildung kam und zwar in sehr dicker Form! Ich gab noch etwas (sehr wenig) Wasser nach und ließ die Mischung erneut aufkochen. 


Dann überzog ich die Äpfel damit und ich hatte tatsächlich grüne Paradiesäpfel und das in zahnfreundlich :-)


Meine Jungs waren natürlich begeistert, denn sie hatten bereits vorher gefragt, wann ich denn wieder die leckeren Äpfel machen würde und ich musste ihnen erklären, das man so etwas nicht allzu oft essen sollte, denn schließlich bestünden sie fast ausschließlich aus Zucker! Nun kann ich ihnen dann doch "mal schnell" solche Äpfel guten Gewissens zubereiten, denn jetzt fallen diese Äpfel auch mit Guss unter "gesunde Nascherei" :-)

Ach ja, zum Dekorieren kam ich leider nicht mehr, da die kleinen Monster gleich meine kurze Abwesenheit nutzten und sich die grünen Äpfel einverleibten...sorry, ihr müsst euch also mit den Fotos oben begnügen :-)

Nun gut, das süßeste Projekt meinerseits hatte also den Test bestanden, doch wie verhält sich Tagatesse beim Backen?

Mir fehlten noch meine Halloweenkekse, also nahm ich mir mein Rezept zur Hand, das sich in der Vergangenheit schon oft bewährt hatte.
Die angegebene Zuckermenge halbiert und durch Tagatesse ausgetauscht, Teig geknetet und siehe da, es fiel auf, das der Teig viel krümeliger war als sonst. Naja, wer sich auskennt weiß, das ein paar Tropfen Wasser helfen können und schon hatte ich einen geschmeidigen Teig. Dieser wurde dann eine halbe Stunde gekühlt und dann ausgerollt.
Auch beim Ausrollen fiel dann wieder auf, das der Teig, im Gegensatz zu sonst, trockener war und schneller brüchig wurde. Ich musste also etwas vorsichtiger an die Sache heran gehen als sonst.

Ich habe einige Ausstechförmchen, die sehr schmale Details ausstechen können (Hexe, Katze), diese konnte ich leider gar nicht zum Einsatz bringen, da diese Details abbrachen beim Versuch sie vorsichtig auf das Backblech zu legen. Also blieb ich bei meinen Kürbissen.


Nach dem Backen wird das Backpapier mitsamt den fertigen Keksen vom Blech gezogen. Dies muss man natürlich auch sehr vorsichtig durchführen, aber auch hier brachen mir einige Kekse :-(

Nun ließ ich die Kekse abkühlen und überlegte, wie ich es nun anstellen könnte, das sie so schön bunt werden, wie sonst. Normalerweise überziehe ich sie mit Zuckerguss. Da kam mir die Idee, das ich Tagatesse Kristallzucker in meiner Kaffeemühle zu Puderzucker mahlen könnte...


Gedacht, getan und schon hatte ich sehr feinen Puderzucker hergestellt. Ich muss aber betonen, das meine Kaffeemühle mächtig lange mahlen musste, damit Tagatesse wirklich pudrig wurde!

Ich rührte ihn wie herkömmlichen Puderzucker an, musste allerdings feststellen, das mehr Flüssigkeit nötig war.
Ich färbte den Guss noch in einer passenden Farbe ein und bestrich die Kekse. 


Die Trocknungszeit dauerte wesentlich länger und der Guss glänzte auch nicht so stark wie sonst. Da ich noch etwas Puderzucker übrig hatte und noch Gesichter aufmalen wollte, rührte ich den Rest mit etwas ungesüßtem Kakao und etwas Wasser und schon hatte ich dunklen (fast) zuckerfreien Schokoguß.
Das Ergebnis seht ihr hier:


Kalorienarme, zuckerfreundliche süße Halloweenkekse, deren Geschmack allen zusagte. Niemand bemerkte, das diese Kekse ohne herkömmlichen Zucker zubereitet wurden.

In diesem Punkt hat Tagatesse erneut ganz klar bei mir gewonnen!

Mein letzter Versuch war ein Biskuitteig aus dem ich Cupcakes zubereiten wollte, die mit einer Schokocreme gefüllt werden sollten. Außerdem hatte ich in der letzten Zeit häufiger Heißhungerattacken auf Schwarzwälder Kirschtorte :-) Nur einer meiner Söhne und ich mögen Kirschen, also eine ganze Torte .... nein, das war uninteressant :-) Aber... man kann ja auch Cupcakes wie kleine Torten herrichten und ich machte mich ans Werk.
Auf diese Weise kam ich auch auf die Idee Biskuitteig in Muffinförmchen zu backen. Also, mein Ergebnis war mehr als positiv, denn ich konnte auf diese Weise gleich mehrere Zubereitungsarten ausprobieren:
- Biskuitteig und Backverhalten = perfekt, als wäre er mit Zucker gebacken


- Kirschkompott = wie mit Zucker zubereitet

Speisestärke statt mit Zucker, mit Tagatesse angerührt und in den Kirschsaft gegeben
- Sahne = wie mit Zucker gesüßt


Ach ja, fast hätte ich es vergessen :-) Der Schokoladen-Haselnuss Aufstrich schmeckt sehr sehr gut - nicht zu süß, nussig und schokoladig - und so kam es, das ich die Schoko-Sahne zubereitete, in dem ich 2 TL Schoko-Haselnuss Aufstrich in der Sahne auflöste, kalt stellte und später aufschlug.



Das Ergebnis könnt ihr hier sehen und ich war mächtig begeistert, nicht nur, weil sich meine Ideen ganz unproblematisch umsetzen ließen und zum gewünschten Ergebnis führten, sondern auch, weil niemand aus meiner Familie etwas bemerkte und alle aßen, als hätten sie ihren zuckergesüßten Kuchen vor sich :-)

Alles in allem ein sehr schöner Test, der mir ein neues Süßungsmittel nahe gebracht hat und mich von meiner Skepsis befreien konnte. Überraschend und aufregend zugleich, denn bei jedem meiner "Experimente" ließ ich erst einmal meine Lieben probieren, ehe ich mich selber an alle Sachen heran traute (ja, nach Stevia war ich mächtig vorsichtig) :-) Tagatesse hat also ganz klar bei mir gewonnen und besonders im Bereich für die Kids, wo es ja nie süß genug her gehen kann, kann ich sagen, das man mit Tagatesse viel entspannter mit solche Sachen umgehen kann. Mal sehen, vielleicht schaffe ich es auch Lollies herzustellen oder Lutschbonbons... :-)

Nun aber genug gelobt, ich habe natürlich auch ein wenig negative Kritik zu üben, denn es ist nicht immer alles Gold, was glänzt :-)

Liebes Tagatesse Team, wir müssten mal dringend über den Preis des Kristallzuckers reden!!

Ein 500 g Paket kostet € 6,36 - das ist viel zu viel!!! Ich vergleiche mal... 1 kg Zucker kostet mich € 0,85 und ich verstehe ja auch, das ich für Tagatesse mehr ausgeben muss, aber gleich das 7,5fache??? Nein, das geht gar nicht! Ihr sagt doch selber, das die Herstellung von Tagatesse im Vergleich zu Stevia weitaus höher ist (Stevia 49 EUR/Kilo, Tagatesse® 15 EUR/Kilo Quelle: siehe hier).

Mich habt ihr definitiv überzeugen können und ich kann mir gut vorstellen, das ich Tagatesse gerne in meinen normalen Tagesablauf integrieren könnte und würde, aber leider nicht zu diesem Preis! Gerade in einem Haushalt mit Kindern kommt sicher oft mehr Zucker zum Einsatz als in anderen Haushalten und eine normale Familie kann sich auf Dauer sicher nicht die üblichen Mengen leisten, wenn sie auf Tagatesse umsteigt.
Ebenso die Leute, die aufgrund von Krankheit auf Zuckerersatz angewiesen sind. Spezielle Lebensmittel (Diabetikerprodukte z.B.) sind generell teurer als herkömmliche Lebensmittel und da würde dann Tagatesse noch einmal kräftig zusätzlich zu Buche schlagen. 
Ich würde mich sehr freuen, wenn der Preis noch einmal überdacht werden und geändert werden könnte - ihr würdet sicher sehr viele Kunden dazu gewinnen können!

Dann hätte ich natürlich noch ein paar Anregungen, die unbedingt das Sortiment erweitern sollten:
- Kuvertüre (Vollmilch, Zartbitter zum Dekorieren und Zubereiten)
- Puderzucker (man muss Tagatesse wirklich sehr fein und lange mahlen um perfekte Ergebnisse zu erzielen und nicht jeder ist so ausdauernd und geduldig wie ich es bin) :-)
- Säfte bzw. Getränke allgemein
- Weingummi oder Süßigkeiten

Das waren meine ersten Einfälle und ich bin sicher, das meine Leser sicher auch noch die ein oder andere Idee haben :-)

Nun habe ich hoffentlich für jede Menge Neugierde gesorgt und freu mich auf die Resonanzen meiner Leser :-)

1 Kommentar:

  1. Ich habe Tagatesse vor etwa einem dreiviertel Jahr zufällig in einem holländischen Supermarkt entdeckt und als Diabetiker auf Abnehm-Trip auch aus Neugierde eingepackt. Bei mir kommt nur der Kristallzucker regelmäßig zum Einsatz, mich überzeugt das Produkt auch zu 100%. Ich hoffe, dass sich Tagatesse bald besser durchsetzt, sodass man es in Reformhäusern und Apotheken (besser noch: Supermärkten!) bekommen kann :) :)

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